Hier stehen aktuelle Texte, an denen ich gerade schreibe und die ich austausche, wenn ich denke, dass es Zeit dafür ist.
Here are the latest texts that I am currently writing and that I will exchange when I think it's time.
anders unsichtbar 23.6.2020 coronatimes ...

was soll ich schreiben, ich habe heute nur mails gelesen während ich gekocht habe und die türen geöffnet, wenn postbot*innen klingelten und pakete bringen und ein kind immer schreit, weil sie permanent kopfhörer auf den ohren hat und das andere schreit, weil - ich weiß garnicht genau - sieht von außen aus wie orang utan imponiergehabe - oder ein testesteronschub - oder noch was anderes, danach sieht es auf dem balkon aus wie herbst, und am boden sammeln sich all die dinge, die ich nicht da hin gelegt habe, aber trotzdem nach und nach wegräume, und dann hunger aufkommt und die stimmung zu kippen droht und ich etwas koche, was alle anderen „ekelig“ finden, weil es grün und blättrig oder matschig, oder sonstwie nicht in ordnung ist, und ich lese über „monstosität und mutterschaft“ dass die befreiung der frau, laut marx und noch jemand, nur dann passiert, wenn es eine technologie gibt, die die schwangerschaft außerhalb und losgelöst vom frauenkörper ermöglicht, und dann kriege ich eine gänsehaut, und dann wollen sie döner, pommes und pizza und ich mache mir schon sorgen und denke an ihre zukunft und die klimakatastrophe, und ich helfe mir, indem ich an den kosmos und das all denke und an die möglichkeit zum mond zu fliegen, schwerelosigkeit, das radio läuft dabei und ein hörspiel und es ensteht eine collage aus die drei fragezeichen, die in autos einsteigen, schreiend entführt werden oder rätsel lösen und den corona-zahlen in gütersloh, fleischindustrie katastrophen in jeder hinsicht, und dann klingelt mein handy und ich muss honorarverhandlungen machen obwohl ich nicht weiß, wieviel wir jetzt eigentlich haben, und dann kriege ich 10 neue mails von der bank, weil die die personalausweise mit rand gescannt haben wollen, damit ich ein konto eröffnen und fördergelder abrufen kann und dann höre ich ihr zu, wie sie ihre stolz ihre noten vorliest: gymnasialempfehlung! großartig, und ich frage ob sie den müll rausbringt aber sie sagt NEIN und dann schreibt mir das festival wegen dem pressetext, der plötzlich sagt, hexen seien frauen mit besonderem wissen… ich muss schnell veto einlegen und klar machen, dass wir in WITCHES von konstruktionen der hexe als disziplinierendes Monster und emanzipatorischer figur und so im aufkommenden kapitalismus ausgehen, und dann klingelt es an der tür und das handy klingelt auch und jemand braucht etwas zu trinken und will filmsehen, und ich muss nein sagen, weil film war gestern - oder? ich erinnere mich nicht wirklich und dann merke ich, dass ich nichts anhabe und trotzdem an die tür gegangen bin und zziehe eine winterjacke an und dann befehle ich zum aufräumen, weil der fußboden … ich komm da nicht mehr rein und ich sehe schickt mir jeamnd urlaubsbilder, wie sie in der sonne liegen und dann wie sie surfen und ich weine fast aber dann habe ich eine idee und schreibe etwas auf, dass ich nicht vergessen will … und deshlab konnte ich heute nicht wirklich etwas schreiben, was reflektiert.going up like a fucking meteor

going up like a fucking meteor 6.6.2020

gerne werde ich auf meinen körper reduziert. das reicht. was soll ich auch mehr sein, als körper. all meine möglichkeiten entstehen und aktualisieren sich mit meinem körper. gedanken sind das ergebnis kollaborativer prozesse mit pflanzen auf meinem fensterbrett, im park, unter wasser. ideen sind die kinder animalistischer interaktionen. probleme sind die unterbrechungen fortlaufender kommunikationen mit bakterien in meiner näheren umgebung. erinnerungen werden von winzigen viren-kolleginnen in meinen körperschichtungen archiviert. meine zellen erzeugen das, was ich diskurs nennen will.
körper lassen sich nicht reduzieren. sie sind derartig multipel, dass reduktion einfach nur der sprache einen plausiblen zugang ermöglicht. verständlichkeit. lesbarkeit. sichtbarkeit. die unterhaltungen, die meine symbionten mit entfernten ersehnten spezies in deinem körper anzubahnen versuchen sind erotische bewegungen, polyphone gesänge, zukünftiger infektionen.
wir leben in welten, zu denen wir uns den zugang selbst versperren. moos wächst langsam. welten, die körper sind welten mit irreduziblen zugängen. keinE muss sich etwas erst vorstellen können, bevor es ins leben wächst. das leben tastet sich blind ins ungewisse. das spüren wir, wenn wir rückwärts fallen, eine fliege schlucken, den mund im sturm nicht zukriegen, tinnitus spüren, ein knäul materie am boden finden und nicht wissen, was es ist, sich das bild einfach nicht labeln lässt, auf dem nachhauseweg unseren namen, das jahr, die ursachen unserer existenz vergessen, ausversehen schreien und unsere stimme nicht wiedererkennen … also reduziert mich gerne auf meinen körper - etwas anderes gibt es sowieso nicht.

Heute in der Zeit: „Evolutionsbiologin: Ab (dem) Zeitpunkt(der Geschlechtsreife) nimmt der "reproduktive Restwert" der Frau ab, also die Zahl der Kinder, die sie potenziell noch bekommen kann.“ Aus einer Studie, die bestätigt, dass Frauen sich reiche Männer wünschen und Männer sich jüngere Frauen wünschen.

es ist ungemein anstrengend für alle, die daran arbeiten normativität aufrecht zu erhalten. so zu bleiben, wie es in die aktuelle wirtschaftsweise und neoliberale ideologie passt. nicht nur eine frau zu werden ist energieverschwendung, eine frau zu bleiben ebenfalls, ein mensch zu werden sowieso und wer will das eigentlich noch? es ist wie die permanente reanimation eines zombies. welch eine verschwendung von lebensenergie! körper haben sex mit wesen und dingen, mengen und worten, bildern und intensitäten von denen zeitautor*innen nur feuchte träume haben können. körper halten sich weder an ein geschlecht noch an eine studie, sie schreien sich die stimmbänder heiß, lassen räume hinein in ihre und atmen sich durch andere, werden poröser und knüpfen neue neuronen zusammen nanosekündlich. studie hin oder her. evolutionsbiologin oder paartherapeutin egal. reproduktion ist keine frage der geschlechtsreife und des kindermachens oder -kriegens. es ist eine frage des lassens. körper lassen sich nicht nur nicht reduzieren, sie gehen ab wie fucking meteore.






















back